Immer wieder wird mir die Frage gestellt, ob ich jeden Tag Yoga mache. Meine Antwort: Jain🤔 Eine Antwort, die erstmal wenig hilfreich erscheint, deshalb lass sie mich erklären:
Eine Yoga-Einheit in Studios dauert in der Regel zwischen 60 und traditionellen 90 Minuten. Das ist bei mir jedoch eher die Ausnahme. Einmal wöchentlich übe ich komplett das Wochenthema für meinen anstehenden Unterricht. Ansosten integriere ich Yoga und Achtsamkeit in meinen Alltag. Dann yogiere ich abseits von der Matte und übe - was mir sehr wichtig ist - bedarfsorientiert!
💪Auf körperlicher Ebene beginne und ende ich den Tag meist mit zwei Übungen in Verbindung mit bewusstem Atem im Bett. Meistens mit den hier beschriebenen Übungen https://andrea-schenk.de/aktuelles/vollmond-und-yin/. Diese helfen mir ganz wunderbar, abends Spannungen loszulassen und morgens die Nachtsteife zu lösen. Je nach Bedürfnis und Zeit integriere ich weitere Haltungen. Ich fokussiere mich während dessen darauf, im Körper und Gedanken loszulassen und auf das Fließen meines Atems.
Abgesehen davon gibt es aber auch Zeiten, wo ich spezifischere Übungen brauche. Denn nicht immer hilft 'one fits all'. Oft ist vor allem Individualität gefragt. Beispielsweise wenn es in der Hüfte zwickt, der Nacken oder die Schultern spannen. Dann fühle ich hin und handele bedarfsorientiert mit Übungen und Bewegungen, die auf diesen Bereich abgestimmt sind oder auf ihn wirken.
Vieles lässt sich auch wirklich gut in den Alltag integrieren, ohne dass es das Umfeld mitbekommt: Beispielsweise kann man sanft den Kopf von rechts nach links wiegen, ein paar Mal mit den Schultern kreisen, auf den Füßen vor- und zurück schaukeln oder die Fersen heben und auf die Zehen strecken. Auch kann man gut den Schnürsenkel aus der Vorbeuge neu binden oder zum Aufheben von etwas in die Hocke kommen.
👃Auch Atemachtsamkeit ist äußerlich kaum sichtbar. Ich richte meine Aufmerksamkeit immer wieder auf meinen Atem und achte darauf, recht konsequent die Nasenatmung zu nutzen. Ich erinnere mich immer wieder, dass die Mundatmung nur eine Ausnahmeatmung für körperlich anstrengende Situationen darstellt. Ich fokussiere meine Atmung, wenn ich merke dass ich mental angespannt, gestresst oder unter Druck bin. Meist stelle ich dann fest, dass sich der Atem ebenso anfühlt. Dann richte ich meine Aufmerksamkeit auf die Bauchatmung oder das Fließen des Atemstrom. Durch sanftes Verlangsamen der Atmung beruhige ich den Atem wieder und als Folge beruhige ich auch mich und meinen Körper. Aber nicht nur, wenn ich unter Anspannung stehe; sondern auch so nehme ich mir zwischendurch kurze Momente, in denen ich mich auf meine Atmung konzentriere, um sanft, ruhig und langsam zu atmen. Schon wenige Augenblicke machen einen spürbaren Unterschied.
🧠Die Körperpraxis ist dabei nur ein Element. Ganzheitliches Yoga geht darüber hinaus. Yoga ist neben der Körperpraxis vor allem auch eine Mentalpraxis. Mit der Körperpraxis wirken wir auf unsere äußere Haltung. Durch die Mentalpraxis auf unsere innere. Oft brauchen wir die Körperpraxis erstmal, um überhaupt wieder Zugang nach innen zu finden. Wenn wir den Zugang dann haben, fällt auch die Mentalpraxis leichter. Ich versuche so oft es geht, positiv zu denken, mich in Dankbarkeit zu üben und Perspektivwechsel einzunehmen, um mich in einer wohlwollenderen Einstellung zu üben und meine innere Haltung zu verändern. Das klappt natürlich erstrecht nicht immer, aber mittlerweile verstehe ich, dass erstmal der Versuch alleine zählt und der Rest mit der Zeit folgt.
🏝️Meist hält unsere Körperintelligenz auch schon einen passenden Vorschlag, für das was gerade gebraucht wird, parat. Wir dürfen nur wieder lernen, hinzuspüren und zuzuhören. So entstehen kleine Ruheinseln im Alltag, die in ihrer Gesamtheit eine große Veränderung für mehr Wohlbefinden bringen. Nach meiner Auffassung des Yoga, geht es genau darum...
Und bitte nicht falsch verstehen! Jeden Tag die Matte ausrollen, ist ganz wundervoll und wird von mir hier nicht abgewertet. Ganz im Gegenteil, wie und wo man sich selber Zeit schenkt, ist jedem selbst überlassen und höchst individuell. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich hier nur sprechen und sagen, dass das tägliche Matte ausrollen bei mir, zu erhöhterem Stress und noch mehr Druck geführt hat, was meiner Meinung nach dem yogischen Gedanken widerspricht. Mir hat es sehr geholfen, den Druck raus zu nehmen, mich nicht täglich auf die Matte zu zwingend, sondern Achtsamkeit und Bewusstheit in meinen Alltag zu integrieren. Es gibt so viele Möglichkeiten:
Bewusstes Bewegen: Bewegungen oder Haltungen, die einem gut tun. Aber auch bei Bewegungen, die einem schwerfallen, hinspüren und rausfinden, warum man sie vlt. meidet.
Bewusstes Spazierengehen: Aufmerksam einen Fuß vor den anderen setzen. Der Natur und den Geräuschen um einen herum lauschen. Die Luft auf der Haut und in der Nase spüren.
Bewusstes Atmen: Wahrnehmen, wie man atmet. Dabei sanft, ruhig und langsam durch die Nase ein- und ausatmen.
Bewusstes Sprechen: Kleine Sprechpausen zwischen zwei Sätzen einbauen, um zu atmen.
Bewusste Kommunikation: Sich auf das eigene Lächeln fokussieren und es spüren. Oder auch das Lächeln anderer in den Fokus setzen.
Unterm Strich, gönnen wir uns so immer wieder kleine Mini-Auszeiten im Alltag von nur ein paar Minuten, die uns helfen, bewusst im Augenblick zu bleiben und mit ganzer Aufmerksamkeit bei dem, was man gerade tut. Augenblicke, die uns helfen, nicht abzuschweifen und in Gedankenschleifen unterzugehen. Kleines bringt Großes hervor! Genieße es und hab Spaß dabei. 🙂

