Mir ist es ein Herzensanliegen, Menschen an ihre Atmung zu erinnern und ins bewusste Wahrnehmen und Erleben zu begleiten. Nur warum ist mir das so wichtig?🤔 Weil ich selbst erfahren durfte, welchen Unterschied es macht, wie man atmet - denn die Art wie wir atmen hat gewaltigen Einfluss auf unser Wohlbefinden.
Unsere Atmung ist unsere oft unterschätzte und vergessene, dabei doch ständig anwesende Begleitung. Sie reagiert auf alles was wir tun, wie wir uns verhalten und was wir erleben. Wenn wir uns unserer Atmung jedoch bewusst sind, hat sie die Möglichkeit und Kraft, uns von innen heraus in unserer Regeneration zu unterstützen.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir gefühlt ständig in Aktion sein müssen. In der erheblich viel gesessen, sich oft zu wenig bewegt, mitunter viel und auch enorm schnell gesprochen und zunehmend mehr geatmet wird. Unsere Lebensweise prägt unsere Atmung stärker, als uns oft bewusst ist. Ebenso ist uns häufig nicht bewusst, dass unsere Atmung gewaltigen Einfluss auf unser Wohlbefinden hat. Atmen wir nun andauernd mehr als notwendig, kann sich das irgendwann negativ auf unser biochemische Gleichgewicht auswirken. In der Folge kann es zu Unwohlsein bis hin zu ernsthaften Beeinträchtigungen unseres gesundheitlichen Wohlbefindens kommen.
Bewusst langsames Atmen setzt hier an und hilft, das Nervensystem zu entspannen. Atemübungen, die den Atem entspannen und sanft verlangsamen helfen uns das Gleichgewicht zwischen dem sympathischen und parasympathischen Nervensystem zu erhalten oder wieder herzustellen, wenn es aufgrund eines zu schnellen Lebensstils scheinbar nur noch eine Richtung kennt - nämlich die eilige und nach vorn drängende.
Wenn wir uns vorstellen, das sympathische Nervensystem sei das Gaspedal im Auto und das parasympathische die Bremse, dann entspricht langsames Atmen dem Fuß, der auf der Bremse steht und dafür sorgt, dass sie dem Gas gegenhalten kann. Wie beim Autofahren, braucht auch unser Nervensystem eine Bremse, um stabil und im Gleichgewicht zu bleiben.
Durch langsames Atmen wird der Vagusnerv stimuliert. Er ist Teil des parasympathischen Nervensystems und für die Regulation alltäglicher Funktionen zuständig. Er hat Einfluss auf unser Kommunikationssystem und seine Aktivierung hemmt die Stresshormonproduktion, beruhigt den Herzschlag, fördert die Verdauung und beeinflusst unser Immunsystem. Langsames Atmen sorgt für eine bessere Belüftung der Lungen und Herzfrequenzvariabilität. Diese gilt als wichtiger Anhaltspunkt dafür, wie gut unser Nervensystem in der Lage ist, die Herzfrequenz an körperliche und mentale Anforderungen anzupassen.
Aus tiefstem Herzen lade ich dich zu einer kurzen Atemübung ein, die deinem Nervensystem Zeit zum Durchatmen schenkt:
Dazu setze dich bequemen und natürlich aufrecht hin. Gerne leg dir ein Kissen oder eine Decke unter das Gesäß, um das Becken und den Rumpf etwas aufrichten zu können. So hilfst du deinem Atem, freier zu fließen.
Mein Impuls zu deiner Übungspraxis:
Mit dieser Übung wird das Atemvolumen sanft reduziert, weshalb das Gefühl entstehen kann, mehr atmen zu wollen. Das ist ein Effekt der Übung und völlig ok. Passe die Atemübung für dich so an, dass das Üben angenehm bleibt und du sanft weiter und durch die Nase atmen kannst. Gerade zu Übungsbeginn kann es daher entspannter sein, eine Weile bei der Frequenz 4-4 oder vielleicht sogar 3-3 zu bleiben. Dann mache das und nach ein paar Übungssessions kannst du die Frequenz schrittweise auf 4-4 und später auf 4-6 erweitern. Hab Spaß und Neugierde dabei und freu dich, dass dass du dir Zeit für dich genommen und es ausprobiert hast. Vielleicht ist das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen dir und deinem Atem mit dem Ergebnis liebevoller Aufmerksamkeit für dein Nervensystem. Ich bin sicher, es wird es dir danken.
- Atme über die Nase ein und aus.
- Entspann deinen Körper, die Gesichtszüge, die Schultern, die Bauchdecke, die Hüften.
- Lass den Atem einen Moment kommen und gehen und kommt mit deiner Aufmerksamkeit bei ihm an...
- Dann versuch dich in die Ausatmung hinein zu entspannen. Lass den Ausatem in den Bauch sinken, ohne Pressen oder Druck. Lass ihn gehen. Du kannst dir dich dabei an das angenehme Gefühl erinnern, dass aufkommt, wenn du dich entspannt zurück sinken lässt, z. B. in einen gemütlichen Liegestuhl oder eine bequeme Hängematte. So lässt du deinen Ausatem in den Bauch sinken. Die Einatmung folgt von selbst, ganz automatisch...
- Nach ein paar Atemzügen, beginn damit deine Atemzüge zu zählen: Atme auf 4-Zähler ein und auf 4-Zähler aus. Atme ein - zwei - drei - vier. Atme aus - zwei - drei - vier. Fahr damit ein paar Runden fohrt...
- Nach ein paar Runden verlängere deine Ausatmung von 4- auf 6-Zähler und atme ein weiter auf vier. Atme ein - zwei - drei - vier. Und atme aus - zwei - drei - vier - fünf - sechs. Fahr damit wieder ein paar Runden fort...
- Atme langsam ein und langsam aus. Lass den Atem sich einfinden. Lass ihn sanft und ruhig fließen. Halte die Bauchdecke weich und entspannt. Atme ohne Druck und ohne die Luft anzuhalten oder zu pressen. Eine leichte Spannung kann im oberen Bauch, im Zwerchfell beim Üben wahrnehmbar werden, das ist ok. Ebenso kann es sein, dass sich die Atmung während des Übens flacher anfühlt. Auch das darf so sein. Versuch dich zu entspannen und Atemzug für Atemzug sanft und langsam zu atmen. Lass den Atem liebevoll zarter werden.
- Nach einigen Minuten lass den Atem wieder natürlich fließen und spüre nach. Wie fühlst du dich jetzt? Anschließend öffne langsam blinzelnd deine Augen.
Weitere Atemübungen und mehr zum Thema Atmung findest du auf meinem Blog. Wie beispielsweise meinen früheren Artikel zur Nasenatmung: Atme und die Welt verändert sich - Wie atme ich?

